John Rabe. Der gute Deutsche von Nanking


John Rabe. Der gute Deutsche von Nanking
Das Hörbuch erscheint am 02. Februar 2009 bei Random House Audio
Gekürzte Lesung
Gesprochen von Ulrich Tukur
Mit Vorwort von Erwin Wickert
3 CDs
Gekürzte Lesung, Laufzeit: ca. 234 Minuten
ISBN: 978-3-8371-0078-5
Preis: 19,95 €
Zu beziehen in allen Buchhandlungen, Internet Shops (zB. Amazon etc.) oder als download über einen Online Shop von Random House Audio.
Kurzinhalt:
Wochenlang zogen im Winter 1937/38 japanische Soldaten plündernd durch die damalige chinesische Hauptstadt Nanking, vergewaltigten Frauen und Mädchen und töteten jeden, der Widerstand leistete. Wenig bekannt ist, dass es auch Menschen gab, die mit verzweifeltem Einsatz für das Leben von Zivilisten kämpften an ihrer Spitze der deutsche Kaufmann John Rabe, Leiter der Siemens-Vertretung in Nanking und NSDAP-Mitglied. Er richtete eine Sicherheitszone ein, in der zeitweilig 250.000 Menschen Schutz vor den Massakern fanden, die bis heute von vielen Japanern geleugnet werden. Die Zahl der Opfer wird auf 300.000 geschätzt. John Rabes Tagebücher, die erst in den neunziger Jahren in Deutschland bekannt wurden, beschreiben die erschütternden Vorgänge in Nanking und viele Einzelschicksale in mitreißenden Schilderungen.
Vitae:
„John Rabe, 1882 in Hamburg geboren, lebte von 1908 bis 1938 in China, zuletzt als Leiter der Siemens-Vertretung in Nanking. Im Dezember 1937 nahm die japanische Armee die Stadt ein. John Rabe richtete eine Sicherheitszone für die Bevölkerung ein, in der 250.000 Chinesen Schutz vor dem Massaker fanden, das viele Japaner bis heute leugnen. 1938 gegen seinen Willen nach Deutschland zurückgerufen, berichtete Rabe von den Ereignissen, wurde jedoch von der Gestapo verhaftet und zum Stillschweigen verpflichtet. Nach dem Krieg wurde ihm zunächst die Entnazifizierung verweigert. John Rabe starb 1950 verarmt in Berlin. Das Leben von John Rabe wurde nun von Oscar-Preisträger Florian Gallenberger mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle aufwändig an Originalschauplätzen verfilmt. „John Rabe" kommt 2009 in die Kinos.
„Ulrich Tukur ist ein Tausendsassa, er ist ein international vielbeschäftigter Schauspieler („Das Leben der Anderen", „Taking Sides"), schreibt Romane und tritt als Sänger und Entertainer mit den Rhythmus Boys auf. Auch als Hörbuchsprecher beweist er eine große Bandbreite, bleibt aber immer unverkennbar.
Auszug aus dem Vorwort von Erwin Wickert
(Herausgeber der deutschen Tagebücher John Rabes):
Im Jahre 1908, als China noch einen Kaiser hatte, kam der Hamburger John Rabe als Exportkaufmann in dieses Land und blieb dort mit kurzen Unterbrechungen bis 1938; die letzten zehn Jahre war er Leiter der Siemens-Vertretung in Nanking, damals die Hauptstadt Chinas. 1934 gründete er auf seinem Grundstück
in Nanking eine deutsche Schule. Er trat dort der Ortsgruppe der NSDAP bei, damit die deutschen Heimatbehörden Lehrer entsandten
und den Schulbetrieb aufnahmen. John Rabe war ein populäres Mitglied der
Taipans, der reichen ausländischen Firmenvertreter, sprach deutsch und akzentfrei englisch. Abends und wenn er tagsüber Zeit hatte,
schrieb er Tagebuch. 1937 landete die japanische Armee in Mittelchina,
durchbrach nach harten Kämpfen die chinesische Front bei Shanghai und schickte
sich an, nach Nanking vorzurücken. Die Ausländer, die Regierung, die übrigen Behörden, die Schulen, die öffentlichen Einrichtungen und alle Chinesen, die es sich leisten konnten, verließen Nanking. Aber viele konnten nicht fliehen. Nach groben Schätzungen blieben eine Million der Ärmsten in Nanking. Auf Rabes
Hof zum Beispiel war man wegen der Hakenkreuzflagge, die Rabe dort ausgespannt hatte, am sichersten, denn die Nazis waren ja Freunde der Japaner. Er öffnete die Tore zu seinem Grundstück. Hunderte strömten herein, bis kein Platz mehr war – zuletzt waren es 602, davon 126 Kinder – auf einem Grundstück von
knapp 1000 qm. Die japanische Armee rückte näher. Die rund
zwei Dutzend Ausländer, die nicht geflohen waren – Amerikaner, Deutsche, Engländer – gründeten ein Komitee, das die Zustimmung der Japaner zur Errichtung einer neutralen Sicherheitszone in der Stadt aushandeln sollte.
Es nannte sich „Internationales Sicherheitskomitee" und wählte am 24. November 1937 John Rabe zu seinem Vorsitzenden. Zwar hatte sich der Generalissimo Chiang Kai-shek einverstanden erklärt, aber die Japaner antworteten eher unbestimmt. Rabe sandte ein Telegramm an Hitler mit der Bitte um Fürsprache in Tokio. Er erhielt nie eine Antwort. Die Japaner legten sich nicht fest. Rabes Komitee richtete dennoch eine Sicherheitszone in Nanking ein. Seine Ziele: Unterbringung und Verteilung der Flüchtlinge, Bewachung der Zugänge zur Sicherheitszone, Versorgung der eintreffenden Verwundeten und fliehenden Truppen, Nahrungsmittel, Transporte und Treibstoff, Stromversorgung, Telefon, Wasserversorgung,
sanitäre Einrichtungen, Latrinen in der Sicherheitszone, Müll- und Fäkalienabfuhr, Versorgung der Krankenhäuser. Die Bombenangriffe auf Nanking nahmen weiter zu. Am 12. Dezember 1937 marschieren die Japaner ein. Rabe war Zeuge, wie einmal tausend in der Stadt aufgegriffene Männer auf offenem Feld erschossen wurden, Zeuge aber auch von einer Menge abscheulicher Greuel, die er an Leichen in den Krankenhäusern oder Leichenkellern beobachtet, aufgezeichnet
und derentwegen er bei den Japanern protestiert hatte. Die Zentrale der Siemens China Co. in Shanghai hatte Rabe angewiesen, aus Nanking zu fliehen. Da Rabe nicht ging, löste sie Anfang 1938 schließlich die Filiale Nanking auf. Obwohl die schlimmste Zeit bereits vorüber war, wollte niemand Rabe gehen lassen. Er wurde in die Zentrale des Weltkonzerns in Berlin versetzt. In dem Wunsch stets das Rechte zu tun und Unrecht anzuzeigen schilderte er dort in einer Reihe von Vorträgen die Vergewaltigung Nankings und zeigte einen insgeheim aufgenommenen
Film von den Greueln und Massenerschießungen, wiederholte die Veranstaltung
auch vor einem SS-Gremium. Den Text sandte er Hitler, um ihn über die Greuel der Japaner aufzuklären. Statt einer Antwort erschienen einige Herren der Gestapo bei ihm zu Hause, beschlagnahmten seine Manuskripte und den Film des amerikanischen Missionars Magee und nahmen ihn zum Verhör mit in die Prinz
Albrecht-Straße. Dort war man bald davon überzeugt, daß er nur aus Menschenfreundlichkeit gehandelt hatte, und lediglich aus Versehen vom politisch korrekten Weg abgekommen war, legte ihm daher nur Schweigeverbot über die Vorgänge in Nanking auf, behielt den Film bei den Akten, gab Rabe aber nach
einiger Zeit seine Tagebücher wieder zurück. Rabe schwieg von jetzt ab über die Greuel von Nanking und wurde von der Partei nicht weiter belästigt.
Das Entnazifizierungsverfahren, dem er sich 1945 unterziehen mußte, deprimierte ihn vollends. Hinzu kamen die Sorgen um das alltägliche Leben. Er litt an Hunger, mehr aber noch an den moralischen Vorhaltungen seiner Landsleute,
die plötzlich alle Widerstandskämpfer gewesen sein wollten. Doch in die verwirrte politische Kakophonie jener Jahre ertönte von weither aus China der Ruf nach John Rabe, dem braven Mann. Wie die China Daily Tribune in Shanghai schrieb fahndete der Bürgermeister von Nanking nach seinem Vorgänger zur
Zeit der japanischen Besetzung, der Tausenden von Chinesen während des japanischen Blutbades das Leben gerettet haben soll. Ein Leserbrief nannte Rabes Name und den seiner früheren Firma. Der Bürgermeister schrieb Rabe
und bot ihm seine Hilfe an.
Die Zeit des großen Hungers, von dem Rabes Berliner Tagebuch von 1945 bis 1948 so erschütternd berichtet, war nun vorbei. Am 5. Januar 1950 erlitt er einen Schlaganfall, abends starb er. John Rabe wurde auf dem Kaiser Wilhelm Gedächtnis-Friedhof in Berlin begraben.
Erwin Wickert, Dezember 2007.
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last modified 11/01/2009 by |